ASHTANGA-YOGA

Ashtanga-Yoga ist die vermutlich älteste vom Hatha-Yoga-Form, die dem Menschen zu Ausgeglichenheit und Gesundheit verhelfen soll.

Ashtanga-Yoga wurde vom SriK. Pattabhi Jois entdeckt. Er wurde zu Vollmond (26.Juli 1915) in Kowshika, einem kleinen Ort im südindischen Kanataka in einer Brahmanen Familie geboren. Er war der fünfte vom neun Kindern. SriK. Pattabhi Jois kam im Alter von 12 Jahren das erste Mal mit Yoga in Kontakt, ein Schulfreund animiert Ihn Yoga anzuschauen. SriK. Pattabhi Jois folgte seiner Einladung  und war begeistert. Er bat den Meister ihn zu unterrichten.
SriK. Pattabhi Jois von Yogis Krishnamacharya er verheimlichte  den Unterricht vor seiner Familie .Nach seinem  15. Geburtstag verließ er heimlich sein Heimatstadt Kowshika, er folgt seinem Meister Krishnamacharya. Mit 2 Rupien in der Tasche geht er nach Mysore eine Stadt in Südindien. Ashtanga Yoga ist noch bekannter  geworden als Meister Krishnamacharya den Königs Maharaja Krishna Rajendra Wodeyar von Diabetes geheilt hat.


Aus Dankbarkeit für die Heilung erhielt er eine Schule (Shala) auf dem Palastgelände.
Nun wird Ashtanga Yoga bekannt und wird heute von sehr vielen bekannte Yogis praktiziert, die aus vielen  verschiedenen Ländern nach Indien zum Mysore Palast kommen.
 Ashtanga-Yoga besteht aus insgesamt 6 Serien, die ebenfalls aus festgelegten Körperhaltungen (Asanas) bestehen. Dabei sind die verschiedenen Asanas in eine Vinyasa-Struktur (Vinyasa: „Veränderung“) eingebettet. Deswegen wird auch oft von Ashtanga-Vinyasa-Yoga gesprochen. Diese Veränderung vollzieht sich durch vorgegebene Bewegungen die ebenfalls wieder an einen vorgeschriebenen Rhythmus von Ein- und Ausatmungen angepasst sind.
Durch die Kombination von Asanas und Vinyasas entsteht eine Dynamik, weswegen man Ashtanga-Yoga öfter als Power Yoga bzw. Ashtanga Yoga Tanz mit dem Atem und Körper“ bezeichnet.

 


Ashtanga-Yoga und der achtgliedrige Pfad
Das Wort Ashtanga setzt sich aus den beiden Begriffen astau: „Acht“ und anga: „Glied“ zusammen. Diese 8 Glieder beziehen sich auf die Elemente des Yogischen Weges, die im Yoga-Sutra in 196 Lehrsätzen beschrieben wurden. Sutra bedeutet soviel wie „Faden“. Das Yoga-Sutra ist als sozusagen ein Leitfaden für die Praktizierenden. Dabei gliedert sich dieses in 4 Abschnitte, welche auch „Padas“ genannt werden:

  • Samadhi-Pada: Über die Kontemplation
  • Sadhana-Pada: Über das Üben
  • Vibhuti-Pada: Über Eigenschaften und Fähigkeiten, die ein Yogin besitzen kann
  • Kaiyalya-Pada: Über die Freiheit

 

Das Yoga-Sutra ist sozusagen auf 4 verschiedene Schülertypen angepasst, die sich durch ihre Auffassungsgabe und spirituelle Reife voneinander unterscheiden. Dennoch gelten für alle dieser Typen die gleichen Grundsätze. Nämlich ein Weg, welcher 8 Stufen umfasst. Das Ziel ist dann erreicht, wenn ein Mensch seinen Geist zu vollkommener Ruhe bringen kann („Yoga ist der Stillstand aller Bewegungen des Bewusstseins“ – Patanjali). Um diesen Zustand zu erreichen, bedarf es unteranderem die 8 Stufen des yogischen Weges.

 

 

1. Yama – Verhalten der Welt gegenüber

Yama bezieht sich auf das angemessene Verhalten den Praktizierenden gegenüber seiner Umwelt. Dieses Handeln sollte von 5 Prinzipien beeinflusst werden:

  • Ahimsa: Gewaltlosigkeit
    Sie ist das oberste Prinzip des yogischen Handelns. Sie bezieht sich nicht nur auf die Enthaltsamkeit von körperlicher Gewalt, sondern auf den Verzicht von jeglichen Tätigkeiten, die ein anderes Lebewesen verletzen könnten.
  • Satya: Wahrhaftigkeit
    Sie kann unter Umständen mit Ahimsa zuwiderlaufen, da die Wahrheit manchmal auch sehr Schmerzhaft sein kann. Dennoch sollte man immer die Wahrheit sagen und auch versuchen sie so zu vermitteln, dass sie annehmbar für andere ist.
  • Asteya: Nicht stehlen
    Man sollte weder im materiellen noch im ideellen Sinne stehlen.
  • Brahmacaria: Enthaltsamkeit
    Der junge Mensch soll sich nicht von Gelüsten ablenken lassen, sondern diese Zeit lieber zum lernen und studieren nutzen sollte. Die sexuellen Impulse sollen soweit beherrscht werden, dass sie dem yogischen Ziel nicht im Wege stehen.
  • Aparigrahah: Besitzlosigkeit
    Grundsätzlich soll man nicht mehr begehren, als was für die Erhaltung des physischen Körpers notwendig ist.

 

2. Niyama – Verhalten uns selbst gegenüber
Niyama beinhaltet Grundsätze der eigenen Person gegenüber. Dabei sind ebenfalls wieder 5 Grundsätze zu beachten.

  • Sauca: Reinheit
    Bezieht sich sowohl auf die äußere Reinheit, also auf die Reinheit des Körpers, als auch auf die innere Reinheit. Mit innerer Reinheit ist gemeint, dass man jedem Lebewesen neutral und ohne vorgefertigte Meinung gegenübertreten soll.
  • Santosha: Zufriedenheit
    Bezieht sich nicht auf die Zufriedenheit, wenn alle Wünsche erfüllt sind. Es ist viel mehr eine positive Grundhaltung. Santhosha ist die Akzeptanz von allem was passiert.
  • Tapas: Hitze/Askese
    Es ist keine Askese wie im religiösen Sinne gemeint. Hier ist die Disziplinierung von Körper- und Sinnesorganen, um sie zu reinigen und vervollkommnen gemeint.
  • Svadhyaya: Studium der vedischen Schriften
    Man soll Sanskrit lernen. Viel mehr bedeutet dies hier nicht.
  • Ishyara Pranadini: Vertrauen
    Der Praktizierende soll an ein wohlmeinendes göttliches Prinzip glauben und diesem auch vertrauen zu lernen.

 

3. Asana - Körperübungen
Asana bildet zusammen mit Pranayama das Hatha-Yoga. Die Sutras 46-48 aus Yoga-Sutra definieren die Asanas und ihre Wirkung.
Die Asanas sollen so ausgeführt werden, sodass keine Verkrampfungen entstehen. Ein Asana ist dann vollendet, wenn man es mühelos ausführen und über das unendliche Sein meditieren kann.


4. Pranayama - Die Energieverdichtung über Atemübungen
Der Begriff setzt sich aus prana („Energie/Leben“) und yama („Verdichtung“) zusammen. Pranayama soll also die Energie des Praktizierenden stärken und verdichten. Dies passiert durch Atemkontrolle. Den Einstieg bietet zunächst das Üben richtiger Ein- und Ausatmung. Das wirkliche Pranayama kann oft erst dann erfolgen, wenn Körper und Geist durch viele Asana-Übungen an Kraft gewonnen hat. Es sollten also erst die Asanas gemeistert werden, bevor man mit den Atemübungen anfängt.
Beim Pranayama selber sollten die Dauer von Ein- und Ausatmung, sowie Atemstopp genau aufeinander abgestimmt sein. Es wird gesagt, dass Pranayama alle Schleier, die das Licht der Erkenntnis vernebeln entfernt. Das Ziel von hierbei ist also die vollkommene Konzentration des Geistes.
Asana und Pranayama bereiten Körper und Geist auf die darauffolgenden Stufen des Pfades vor, welche alle spiritueller Natur sind.


5. Pratyahara – Der Rückzug der Sinne von der Außenwelt
Das Ziel ist es hierbei, die Sinne komplett von der Außenwelt abzuziehen und nach innen zu richten. Diese vollkommene Kontrolle der Sinnesorgane wurde in den vorherigen Stufen erlernt. Auf dieser Stufe ist die Konzentration allerdings noch nicht so hoch, dass absolut kein Bewusstsein mehr besteht. Man kann durchaus seine müden Beine vom Sitzen merken. Es kann ebenfalls noch zu Gedanken kommen. Diese werden aber nicht mehr beachtet.

6. Dharana – Die Konzentration auf den Wesenskern
Hier werden die äußeren Wahrnehmungen noch weiter ausgeschaltet. Der Geist konzentriert sich nur noch auf einen einzigen Fokus. Dieser ist im Ashtanga-Yoga der Drishti.


7. Dhyana – Meditation
Bei der 7 Stufe kommt es zu keinerlei Ablenkungen mehr. Der Geist ist frei und die Aufmerksamkeit verbleibt unabgelenkt bei einem Objekt. Allerdings gibt er hier immer noch ein Objekt, also einen materiellen Konzentrationspunkt. Verschmilzt der Mensch aber nun mit diesem Konzentrationsobjekt, vollzieht sich der Übergang zur letzten Stufe des Pfades.

8. Samadhi – Die Selbsterkenntnis
Bei der letzten Stufe des Pfades, erreicht man die Erleuchtung, bzw. die Erkenntnis über die wahre Natur des Menschen. Hierbei unterscheidet man noch zwischen zwei Stadien:
Das keimhafte Samadhi: Hier sind noch Ahnungen vom Konzentrationsobjekt vorhanden
Das keim lose Samadhi: Der Geist trägt keinen Eindruck irgendeines Objekts mehr in sich und ist vollkommen befreit

 


Charakteristika des Ashtanga Yoga
Ashtanga-Yoga hat einige Merkmale, die ihn von anderen Yoga-Richtungen unterscheidet.

Die Serien
Ashtanga-Yoga wird immer in einer festgelegten Reihenfolge praktiziert sechs feststehende Übungsreihen, mit aufsteigendem Schwierigkeitsgrad.


1. Yoga Chikitsa „Yoga-Therapie“
Schwerpunkt liegt auf heilenden Wirkung, Kraft, Gelenkigkeit und Ausdauer werden gefördert


2. Nadi Sodhana (Nasenseite Wechsel Atmung)
Reinigung der feinstofflichen Energiekanäle, um Körper und Geist durch die Harmonisierung des Nervensystems zu fördern


3. Sthira Bhaga
Intensivierung der Lebensenergie, gliedert sich in vier Teile und vervollständigt somit die Serien



Das Vinyasa Prinzip

  • Alle Stellungen sind durch eine exakt festgelegte Abfolge miteinander verbunden
  • Jede einzelne Position ist an eine Ein- oder Ausatmung gekoppelt
  • Diese Abfolgen sollen das Innere reinigen
  • Dabei  werden z.B. durch den Schweiß die Krankheitsverursacher aus dem Körper transportiert.


Die Ujjayi-Atmung (Feuer-Atmung)

  • So wird die Atmung genannt, die man beim Ashtanga-Yoga verwendet
  • Ujjayi = „Siegreiche Atmung“
  • Erfolgt immer durch die Nase, wie sonst auch im Yoga
  • Allerdings entsteht hier ein Geräusch welches sehr Typisch für diese Atemtechnik ist
  • Dieses Geräusch entsteht z.B. durch nach hinten rollen der Zunge, so dass die Zungenspitze den Gaumen berührt
  • Wird mit „entferntem Meeresrauschen“ oder „Darth Vader“ verglichen
  • Die Konzentration auf diesen Ton ist eine wichtige Methode um Aufmerksamkeit zu lernen
  • Außerdem wird durch diese Technik die Körpertemperatur besser reguliert
  • Der nächste Schritt besteht nun darin, die Ein- und Ausatmung auf die gleiche Länge zu bringen


Die Bandhas
Die Atmung steht in direkter Verbindung zu den Bandhas. Hier wird zwischen 2 Bandhas unterschieden: Uddiyana-Bandha und Mula-Bandha. Bandha bedeutet so viel wie „Fessel“. Bezeichnung ist etwas irreführend, weil der eigentliche Effekt ein lösender ist. Dabei soll schlummernde Lebensenergie angeregt und in die Energiekanäle des Körpers geleitet werden. Durch Zusammenarbeit mit der Ujjayi-Atmung wird im Inneren des Körpers eine Energie erzeugt, die den Praktizierenden stärkt.

 


Mula-Bandha: „Wurzel-Verschluss“

  • Afterschließmuskel in Richtung Nabel ziehen
  • Falls es anfangs Schwierigkeiten gibt, kann man sich vorstellen, auf die Toilette gehen zu müssen obwohl gerade keine da ist
  • Die Muskeln, die zum Einhalten benutzt werden, sind die, die man für das Mula-Bandha braucht
  • Allerdings ist es nicht nötig, hierbei die Muskeln so stark anzuspannen


Uddiyana-Bandha: „nach oben fliegend“

  • Zieht nach Ende einer Ausatmung den unteren Bauch nach innen und oben
  • Gleichzeitig hebt man das Zwerchfell an
  • Dabei ist der untere Bauch so angespannt, dass unterhalb des Rippenbogens eine Kuhle entsteht
  • Im Training wird dies lange nicht so deutlich ausgeübt
  • Hier wird lediglich der Bauch unterhalb des Nabels so angespannt


Dristhi (Blick-Punkt)

  • Sinn des Dristhi besteht darin, den Geist auf eine Stelle zu fokussieren
  • Dabei soll Aufmerksamkeit von anderen Objekten weg und immer mehr nach innen geleitet werden


Tristhana

  • Ist die Einheit von Haltung, Atmung und Blickpunkt
  • Diese Einheit löst die Energie der 5 ayurvedischen Elemente aus
  • Diese sind Erde, Wasser, Luft, Feuer, Äther
  • Erde wird durch Mula-Bandha gegeben und erhöht Stabilität und Bodenständigkeit
  • Wasser wird durch körperliche Anstrengung in Form von Schweiß gegeben
  • Luft wird durch Uddiyana-Bandha und Ujjayi-Atmung gegeben
  • Alles zusammen regt die Verdauungshitze an und gibt somit das Feuer
  • Als Ergebnis von allem bleibt Prana zurück, die den Äther repräsentiert