ASHTANGA-YOGA

Ashtanga-Yoga (auch "Power-Yoga") ist eine der ältesten Hatha-Yogaformen der Welt.

Sie besteht aus insgesamt sechs Serien, die ebenfalls aus festgelegten Körperhaltungen (Asanas) bestehen. Dabei sind die verschiedenen Asanas in eine Vinyasa-Struktur (Vinyasa: „Veränderung“) eingebettet. Aus diesem Grund wird auch oft von Ashtanga-Vinyasa-Yoga gesprochen. Diese Veränderung vollzieht sich durch vorgegebene Bewegungen, die ebenfalls wieder an einen vorgeschriebenen Rhythmus von Ein- und Ausatmungen angepasst sind.

Durch die Kombination von Asanas und Vinyasas entsteht eine Dynamik, weswegen man Ashtanga-Yoga öfter als Power Yoga bzw. Ashtanga Yoga Tanz mit dem Atem und Körper“ bezeichnet.

Es wirkt ganzheitlich wohltuend, unterstützt den Abbau von Stress, fördert körperliches Wohlbefinden, Konzentrationsfähigkeit und Vitalität. Das regelmäßige Üben hält jung und gesund, stärkt die gesamte Muskulatur, das Bindegewebe und den Kreislauf, löst Verspannungen, hilft beim Ausscheiden von Schadstoffen, verbessert die Kondition und verleiht einen klaren, beweglichen Geist.

Durch die hohe Intensität dieser Bewegungsform und die auf diesen Weg entstehende Wärme im eigenen Körper werden besonders die reinigenden Prozesse zusätzlich unterstützt.

Die ganzheitlichen Übungseinheiten können, so wie es bei fast jeder Form des Yogas möglich ist, ein Leben lang praktiziert werden und zur physischen und psychischen Gesundheit, beziehungsweise Ausgeglichenheit beitragen.

 

"Ashtanga Vinyasa Yoga" ist der traditionelle Stil des Hatha-Yogas, der von Sri K. Pattabhi Jois (1915–2009) aus Mysore, Südindien, populär gemacht wurde.

Es hat seine Wurzeln in einer fünftausend Jahre alten Schrift namens "Yoga Korunta", welche von Vamana Rishi verfasst wurde.

Dieser Text wurde Sri T. Krishnamacharya in den frühen 1900er Jahren von seinem Guru Rama Mohan Brahmachari übermittelt, welcher sie ab 1927 an Pattabhi Jois weitergab.

 

In der Praxis des Ashtanga Vinyasa Yoga nach Jois wird der Atem mit Bewegung und Aufmerksamkeit verbunden, um so bestmöglich von dem reinigenden Yoga-Stil zu profitieren. Wenn über einen langen und ununterbrochenen Zeitraum geübt wird, lösen sich, wie eingangs erwähnt, körperliche und geistige Beschwerden auf, es kommt zu lebhafter Gesundheit und einer Förderung des Selbstbewusstseins.

 

Ashtanga-Yoga und der achtgliedrige Pfad

Das Wort Ashtanga setzt sich aus den beiden Begriffen "astau", was mit „Acht“ übersetzt werden kann und "anga", was so viel wie „Glied“ bedeutet, zusammen. Die acht Glieder beziehen sich auf die Elemente des Yogischen Weges, die im Yoga-Sutra in 196 Lehrsätzen beschrieben wurden. Sutra bedeutet soviel wie „Faden“. Das Yoga-Sutra ist also als eine Art Leitfaden für die Praktizierenden zu sehen und ist auf vier verschiedene Schülertypen angepasst, die sich durch ihre Auffassungsgabe und spirituelle Reife voneinander unterscheiden.

Dennoch gelten für alle dieser Typen die gleichen Grundsätze. Nämlich ein Weg, welcher acht Stufen umfasst. Das Ziel ist dann erreicht, wenn ein Mensch seinen Geist zu vollkommener Ruhe bringen kann ("Yoga ist der Stillstand aller Bewegungen des Bewusstseins“ – Patanjali). Um diesen Zustand zu erreichen, bedarf es unter anderem der acht Stufen des yogischen Weges, welcher im Folgenden noch einmal detailliert ausgeführt wird.

  1. Yama - Fesseln
    Ahimsa - Gewaltlosigkeit
    Satya - Wahrhaftigkeit
    Asteya - kein Diebstahl
    Brahmacharya - sublimierende sexuelle Energie
    Aparigraha - keine Gier
  2. Niyama - Beobachtungen
    Shaucha - Reinheit von innen und außen
    Santosha - Zufriedenheit
    Tapas - Disziplin
    Svadyaya - Selbststudium
    Ishvarapranidana - Kapitulation
  3. Asana - Haltung

  4. Pranayama - Kontrolle von Atem und Prana

  5. Pratyahara - Die Sinne nach innen richten

  6. Dharana - Konzentration

  7. Dhyana - Meditation

  8. Samadhi - Einheitliches Bewusstsein, freier Geist
    Bei der letzten Stufe dieses Pfades erreicht man die Erleuchtung, beziehungsweise die Erkenntnis über die wahre Natur des Menschen. Hierbei unterscheidet man noch zwischen zwei Stadien:
    • Das keimhafte Samadhi: Hier sind noch Ahnungen vom Konzentrationsobjekt vorhanden.
    • Das keimlose Samadhi: Der Geist trägt keinen Eindruck irgendeines Objekts mehr in sich und ist vollkommen befreit.

 

Charakteristika des Ashtanga Yoga

Das Ashtanga-Yoga besitzt einige Merkmale, die es klar von anderen Yogaformen abgrenzt.

  • Die Serien
    Diese Yogaform wird stets in der Einhaltung einer festgelegten Reihenfolge praktiziert. Insgesamt gibt es sechs feststehende Übungsreihen mit aufsteigendem Schwierigkeitsgrad.
  • Ashtanga Yoga im Bereich der „Yoga-Therapie“
    Der Schwerpunkt liegt hier ganz besonders auf der heilenden Wirkung auf den Körper. So werden Muskelkraft, Gelenkigkeit und Ausdauer gefördert. Durch die hohe Intensität des Trainings und einer damit einhergehenden Erwärmung des Körpers werden Krankheitsverursacher aus dem Körper transportiert.
  • Die im Ashtanga Yoga verwendete Wechselatmung
    Reinigt die feinstofflichen Energiekanäle, um Körper und Geist durch die Harmonisierung des Nervensystems zu fördern.
  • Die Ujjayi-Atmung ("Feuer-Atmung" oder auch die "siegreiche Atmung")
    Bei der Uijayi-Atmung handelt es sich um eine sehr intensive Atemtechnik, die im Ashtanga Yoga neben der Wechselatmung ausgeführt wird.
    Sie unterstützt die körperlichen Prozesse, die durch das regelmäßige Training angestoßen werden und wird übrigens im Deutschen als "die Atmung mit dem Reibelaut" bezeichnet. Damit wird genau das beschrieben, was auch geschieht: man atmet so durch die Nase ein und aus, dass ein reibender Ton entsteht.
  • Sthira Bhaga oder auch "erhabene Ruhe", eine besondere Bewegungsabfolge im Ashtanga Yoga
    Der Begriff Sthira Bhaga steht für intensivierte  Lebensenergie und vervollständigt die nach Komplexität gegliederten Serien des Ashtanga Yogas. Durch diese letzte Serie gelangt der Yogi in den einzigartigen Zustand erhabener Ruhe.
  • Das Vinyasa Prinzip
    Hierbei sind alle Stellungen durch eine exakt festgelegte Abfolge miteinander verbunden. Jede einzelne Position ist zudem an ein Ein- oder Ausatmen gekoppelt.
    Das Ausführen genannter Abfolgen soll einen reinigenden Effekt auf den Körper haben und Krankheiten vorbeugen.